Bamberg | Beitrag der Redaktion | 30. Juni 2026
Persönlichkeiten aus Bamberg: BambAID

Wenn aus einer persönlichen Betroffenheit eine Welle des Zusammenhalts entsteht: Die Geschichte des kleinen Charlie, der an der seltenen Krankheit Sanfilippo leidet, hat in Bamberg und Umgebung eine beispiellose Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Unter dem Namen BambAID formierte sich innerhalb kürzester Zeit das Mammutprojekt “Ein Konzert für Charlie” im Kulturboden Hallstadt.

Ob lokale Musikgrößen, die regionale Wirtschaft oder engagierte Medienpartner – die Bamberger Gemeinschaft hat bewiesen, wie eng und familiär sie zusammenrückt, wenn Hilfe am dringendsten benötigt wird. Das Benefizkonzert war ein überwältigender Erfolg und hat gezeigt, dass die Menschen das Mitgefühl füreinander nicht verloren haben.

Wie dieses emotionale Projekt in Rekordzeit auf die beine gestellt wurde, welche Kraft Musik entfalten kann und wie es nun in der Unterstützung für Charlie weitergeht, haben wir im Interview mit dem Initiator von BambAID, Michael Lorey, erfahren.

1. Vom Einzelschicksal zur Bewegung

Die Geschichte von Charlie hat in Bamberg eine beispiellose Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Was war der Moment, in dem euch klar wurde: „Wir müssen hier groß denken und ein ganzes Konzert auf die Beine stellen“?

Eine Woche vor Weihnachten erfuhr ich von Charlies Schicksal. Als Familienpapa dachte ich mir „Was, wenn unseren Kindern ein derartiges Schicksal träfe und wer würde uns helfen?“. Da ich riesiger Musikfan und Konzertgänger bin, kam mir ziemlich schnell der Gedanke zum Benefizkonzert. Ich erzählte meiner Frau davon und sie fand die Idee ebenfalls gut. So kam das Ganze ins Rollen…

2. Die Kraft der lokalen Vernetzung

Ob Bands und Musiker wie Bambägga, Lucky and the Heartbreakers und David Saam, der Wirtschaftsclub oder lokale Medien – alle haben zugesagt. Wie schwierig war es, diese unterschiedlichen Akteure so kurzfristig zu koordinieren, und was sagt das über den Zusammenhalt in Bamberg aus?

Erstaunlich einfach. Zuerst rief ich Julian Löhr (Geschäftsführer WOBLA und Gitarrist bei Lucky and the Heartbreakers), den ich privat kenne, an. Er schlug mir vor, Kontakt zu Wolfgang Heyder (Geschäftsführer Veranstaltungsservice Bamberg und Mitglied des Wirtschaftsclub) aufzunehmen. Auf meine erste E-Mail antwortete er kurz: „Lassen Sie uns telefonieren.“ Ein Telefonat später hat er mir den Kulturboden in Hallstadt, unter der Bedingung passende Bands zu engagieren und ein Konzept zu erstellen, zugesagt. Dann könnten wir uns auf einen Kaffee treffen. Stück für Stück telefonierte ich mit Lucky and the Heartbreakers, Slam Elephant, 1516, BAMBÄGGA und der Endlich Kerwa Band. Alle sagten, meist nach kurzer Absprache mit Ihren Bands zu. Zwischen den Feiertagen tranken Wolfgang und ich unseren Kaffee, ich stellte ihm Bands und Konzept vor und wir waren uns sofort einig. Kurz darauf sagten noch Triple B und David Saam zu.

Tatsächlich sagt das einiges über Bamberg aus, denn in einer Großstadt wäre es meiner Meinung nach nicht derart einfach umsetzbar gewesen. Da Bamberg sehr familiär ist, konnten wir Charlies Konzert glücklicherweise innerhalb sehr kurzer Zeit umsetzen. 

3. Das Team im Hintergrund und die Organisation

Emotionale Motivation: Hinter so einem Mammutprojekt steckt extrem viel ehrenamtliche Arbeit und Herzblut. Was motiviert das Team hinter BambAID und die mitwirkenden Menschen persönlich, wenn viel zu tun ist und die organisatorischen Hürden (wie Technik, Genehmigungen und Logistik) groß sind?

Zu unserem Glück hat uns Wolfgang Heyder mit seinem VSB-Team diese organisatorischen Hürden abgenommen. Ohne ihn wäre „Ein Konzert für Charlie“ in dieser Form und Kurzfristigkeit nicht möglich gewesen. Meine Aufgaben waren u.a. hauptsächlich die Werbetrommel via Instagram zu rühren, die Künstler kennenzulernen, Helferlein und wertvolle Preise zu organisieren. 

4. Sichtbarkeit vs. Stille

Während viele Hilfsprojekte im Stillen wirken, braucht Charlie maximale Aufmerksamkeit für die enormen Behandlungskosten. Wie hat sich das bei euch gestaltet, die nötige Reichweite zu generieren, ohne die Privatsphäre der betroffenen Familie aus den Augen zu verlieren?

Ich habe mich regelmäßig mit Astrid (Charlies Mama) ausgetauscht. Sie war glücklicherweise mit all meinen Ideen einverstanden, hat einige wertvolle Tipps eingebracht, vor allem bezüglich Charlies Krankheit Sanfilippo.

5. Warum Musik die beste Hilfe ist

Warum ist ein Benefizkonzert deiner Meinung nach das richtige Format für die Hilfe für Charlie gewesen? Was kann Musik bei den Menschen auslösen, was ein einfacher Spendenaufruf auf Papier vielleicht nicht schafft?

Das Konzert war ein Erfolg, weil alle Anwesenden gemeinsam geholfen haben und dabei auch noch Spaß hatten, Bands, Helfer, Personal und Zuschauer. Musik kann jede Form von Emotion auslösen. Live, authentisch und leidenschaftlich vorgetragen, am besten mit sympathischen Menschen auf und vor der Bühne ist sie definitiv unschlagbar. Besonders im kleinen, familiären Rahmen, den der Kulturboden uns an Charlies Konzert geboten hat.

6. Der Blick in die Zukunft: Wie es weitergeht

Das Konzert war ein riesiger Erfolg. Wie geht es nun weiter? Habt ihr Pläne oder Ideen, damit das Thema präsent bleibt und Charlie weiterhin gut in seiner medizinischen Behandlung geholfen werden kann?

Es gibt Pläne, die allerdings noch nicht konkret sind. Natürlich informieren wir Euch, sobald es etwas zu verkünden gibt.

Ansonsten freuen wir uns über jede Spende und jede Aktion zu Charlies Gunsten. Sein Weg zum Erreichen des Spendenziels ist noch weit. Solltet Ihr Ideen haben, meldet Euch gerne. Falls Ihr superreich seid, oder jemanden kennt, natürlich auch. 😉

7. Ein Impuls für das Ehrenamt in Bamberg

Wenn ihr auf die vergangenen Wochen und Monate zurückblickt: Was ist die wichtigste Erkenntnis, die ihr aus der Aktion für Charlie für die Zukunft des ehrenamtlichen Engagements in Bamberg mitnehmt?

Eine wichtige Erkenntnis war, das Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft der Menschen nach wie vor existieren, trotz der vielen unangenehmen, teils schlimmen Nachrichten, mit denen wir täglich konfrontiert werden. Ich hoffe, dass unser kleines Konzert ein zusätzlicher „Stups“ für manche sein wird, um sich zukünftig für Kultur und Soziales einzusetzen. Jeder Beitrag, groß oder klein hilft und kann für alle Beteiligten ein Gewinn sein.