Bamberg | Beitrag der Redaktion | 22. September 2026
Persönlichkeiten aus Bamberg: goolkids

Wenn Kinder gemeinsam über den Platz laufen, zählt eigentlich nur eins: der Spaß am Spiel. Genau diese Selbstverständlichkeit ist es, für die sich der Bamberger Förderkreis goolkids e. V. unter anderem auch mit ihrem Projekt ginaS seit Jahren einsetzt – für Kinder mit und ohne Handicap, unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund. Denn auf dem Spielfeld spielen Unterschiede keine Rolle, dort zählen nur Teamgeist und das Gefühl, dazuzugehören.

Was mit dieser Idee begann, ist heute ein fester Bestandteil des Bamberger Vereinslebens: goolkids schafft Begegnungsräume, in denen Inklusion nicht nur ein Wort auf dem Papier bleibt, sondern ganz selbstverständlich gelebt wird. Dabei engagiert sich der Verein auch praktisch – gebrauchte Sportartikel bekommen ein zweites Leben, Familien und Vereine werden mit Kleidung und Ausrüstung unterstützt, die sie sich sonst nicht leisten könnten. So verbindet goolkids soziales Engagement mit Nachhaltigkeit und macht Sport für alle zugänglich.

Wie aus dieser Vision ein wachsendes Netzwerk der Teilhabe wurde, welche Hürden dabei überwunden werden mussten und was die Menschen hinter goolkids antreibt, haben wir im Interview mit ihnen erfahren.

1. Mehr als Bewegung: Sport als Sprache der Gemeinschaft

Das Motto der goolkids dreht sich stark darum, jedem Kind Zugang zum Sport zu ermöglichen. Warum ist Sport in euren Augen viel mehr als nur Bewegung, und wie hilft er dabei, soziale Hürden oder Ausgrenzung im Alltag abzubauen?

Sport schafft einen besonders niederschwelligen Zugang zu Inklusion, denn er ermöglicht Begegnungen auf Augenhöhe. Auf dem Spielfeld spielen Herkunft, Sprache oder soziale Unterschiede keine Rolle. Was zählt sind der gemeinsame Spaß, Teamgeist und das Gefühl, dazuzugehören. Genau diese Momente bauen Barrieren ab, lassen Freundschaften entstehen und zeigen Kindern: „Du gehörst dazu!“

2. Wenn Berührungsängste dem Miteinander weichen

Auf dem Papier klingt Inklusion oft einfach, in der Praxis gibt es viele Berührungsängste. Wie schafft es goolkids, dass Kinder mit und ohne Handicap ganz selbstverständlich gemeinsam Sport treiben und Vorurteile gar nicht erst entstehen?

goolkids macht Inklusion erlebbar. Wenn Menschen gemeinsam spielen, entstehen soziale Interaktionen ganz selbstverständlich. Berührungsängste verschwinden oft schneller, als man denkt. Bei goolkids steht nicht die Behinderung, sondern das gemeinsame Erlebnis und das Miteinander im Vordergrund. So lernt sich ganz nebenbei: Unterschiedlich sein ist ein Gewinn!

3. Die größte Barriere sitzt im Kopf

Wenn es um Sport für Menschen mit Handicap geht, stehen oft die physischen Barrieren im Vordergrund. Aber welche Barrieren müssen in den Köpfen von Trainer*innen, Mitspieler*innen oder Eltern abgebaut werden, damit gemeinsame Bewegung wirklich auf Augenhöhe stattfindet?

Die größte Barriere ist oft nicht die Behinderung selbst, sondern die Vorstellung davon, was Menschen angeblich nicht können. Es braucht Mut, Schulungen, Geduld und die Offenheit, eigene Gedanken zu hinterfragen. Bei goolkids geht es darum, jeden mit seinen eigenen Stärken zu sehen und ihm etwas zuzutrauen. 

4. goolkids setzen an, wo die Menschen schon sind

Viele betroffene Familien oder Kinder genieren sich vielleicht, von sich aus nach Hilfe zu fragen. Wie erreicht ihr die Menschen, die eure Unterstützung am dringendsten brauchen – und wie nehmt ihr die Scham?

Wir wollen nicht darauf warten, dass Familien oder Kinder um Hilfe bitten müssen. Deshalb sind wir überall dort sichtbar, wo sie bereits sind: In Schulen, Vereinen, im öffentlichen Raum und in sozialen Einrichtungen. Unsere Inklusionsmesse beispielsweise schafft einen offenen Raum für Begegnungen. Uns geht es um Teilhabe, die möglichst Barrierearm ist.

5. Zweites Leben für Sportartikel, neue Chancen für Kinder

Ihr sammelt auch gebrauchte Sportartikel, die sonst vielleicht im Müll landen würden und gebt ihnen ein zweites Leben. Wie wichtig ist euch dieser Aspekt der Nachhaltigkeit in Kombination mit sozialer Hilfe?

Für uns passen Nachhaltigkeit und Inklusion perfekt zusammen. Was eine Person nicht mehr braucht, kann für eine andere Person genau das Richtige sein. Mit der Weitergabe von neuen und gebrauchten Sportartikeln verbinden wir Nachhaltigkeit mit sozialer Teilhabe und schenken Ausstattung sowie Kindern eine neue Chance. Der Zugang zu Sport sollte nicht an fehlenden Ressourcen scheitern! 

6. Der Moment, in dem alles passt

Ein zentraler Baustein eurer Arbeit ist die Versorgung mit Sportkleidung und -geräten für Familien und Vereine, die sich das sonst nicht leisten könnten. Wie erlebt ihr den Moment, wenn ein Kind zum ersten Mal mit der passenden Ausrüstung zum Training gehen kann?

Das sind für uns ganz besondere Momente. Wenn ein Kind mit leuchtenden Augen das neue Trikot anzieht oder zum ersten Mal mit den passenden Fußballschuhen auf den Platz läuft. Man spürt sofort: Hier geht es um viel mehr als Sportausrüstung. Es geht um Zugehörigkeit, Selbstvertrauen und die Freude, dabei sein zu können. Genau dafür machen wir unsere Arbeit.

7. Special Olympics: Eine Geschichte, die bleibt

Hinter den goolkids stecken unzählige Geschichten. Gibt es ein bestimmtes Erlebnis oder die Geschichte eines Kindes aus den letzten Jahren, die euch ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist und zeigt, warum sich der Einsatz lohnt?

Eine Geschichte, die uns besonders berührt hat, ist die eines Teilnehmers mit Autismus, dem es lange schwerfiel, Gefühle zu zeigen und soziale Kontakte aufzubauen. Durch die regelmäßigen Begegnungen bei unseren Sportevents wurde er Schritt für Schritt offener und sicherer. Bei den Special Olympics kam dann ein ganz besonderer Moment: Er war so überwältigt von seinen Emotionen, dass ihm die Tränen kamen. Für uns war das ein bewegender Beweis dafür, was Sport schaffen kann: Vertrauen, Gemeinschaft und Momente, in denen Gefühle einfach ihren Platz haben.